Jede europäische Person kauft im Durchschnitt 19 kg Textilien pro Jahr – davon rund 8 kg Kleidung. Das ist mehr als jemals zuvor, wie Untersuchungen der EU-Umweltagentur ergeben haben. Gleichzeitig werden diese Textilien immer schneller wieder weggeschmissen – wegen mangelhafter Qualität und ständig wechselnder Trends der Fast-Fashion-Industrie.
Allein in Deutschland landen jedes Jahr rund eine Million Tonnen Altkleider im Müll. Die wenigsten davon werden recycelt (in Deutschland nur etwa 1 %) oder in Second-Hand-Läden weiterverkauft. Stattdessen landen sie auf Mülldeponien, in Flüssen und im Meer. Dabei gelangen riesige Mengen Mikroplastik und Chemikalien ins Wasser. Und auch die Umweltbelastung bei der Herstellung ist enorm: Die Produktion von Kleidung verursacht mehr CO₂-Emissionen als der gesamte Flug- und Schiffsverkehr eines Jahres zusammen.
Hinter alldem steckt ein Konzept: Fast Fashion. Möglichst schnell, möglichst günstig. Ein Geschäftsmodell der Bekleidungsindustrie, das auf trendbezogene Kollektionen mit kurzer Lebensdauer setzt.
„Fast“ bedeutet für mich: kurze Lieferzeiten, mangelhafte Qualität, billige und oft unmenschliche Produktion. Denn die meisten Kleidungsstücke werden nicht in Europa hergestellt, sondern in sogenannten Niedriglohnländern. Dort schuften Arbeiter*innen für viel zu wenig Lohn, machen Überstunden, werden schlecht behandelt, arbeiten unter gefährlichen Bedingungen, atmen giftige Stoffe ein – und das alles unter miserablen hygienischen Verhältnissen.
Und wofür? Damit wir uns „trendy“ anziehen können? Was also tun? Was kann ich überhaupt noch mit gutem Gewissen tragen? Kleidung ist für mich nicht nur praktisch – sie ist Ausdruck meiner Persönlichkeit. Mode macht Spaß, ich kann mich darin zeigen, wie ich bin. Darauf möchte ich – und ich denke, das geht vielen so – nicht verzichten.
Welche Möglichkeiten gibt es also, Mode nachhaltiger zu gestalten und einen bewussteren Umgang mit Kleidung zu finden? Eine Idee habe ich an unserer Schule ausprobiert – und möchte euch von meinem Versuch erzählen.
Am 29. März 2025 fand im großen Eurythmiesaal ein von mir organisierter Kleidertausch statt. Alle waren herzlich eingeladen, in entspannter Atmosphäre Kleidung zu tauschen, sich umzuschauen, Dinge anzuprobieren – in zwei Klassenzimmern, die wir extra zu Umkleiden umfunktioniert hatten.
Die Idee hinter dem Kleidertausch ist ganz simpel: Intakte Kleidung, die man nicht mehr braucht oder die nicht mehr passt, mit anderen tauschen. Niemand bekommt Geld – aber auch niemand muss welches ausgeben. Jede*r bringt Kleidung mit und sortiert sie nach Beschilderung auf Tische und Kleiderständer. Danach darf gestöbert, probiert, getauscht, getrunken und gequatscht werden. Die Stimmung war locker, zwei Stunden lang herrschte reges Treiben – und am Ende des Abends war ich sehr zufrieden. Ich habe viel positive Rückmeldung bekommen.
Deshalb habe ich beschlossen, das Projekt weiterzuführen und im kommenden Herbst und Frühjahr erneut Kleidertauschaktionen zu organisieren. Der erste Versuch war Teil meiner Jahresarbeit – und ich weiß nun, wie’s läuft.